ANWENDERTIPPS
Häufig gestellte Fragen zu Anwendungen im Bereich
Bau- und Fliesenchemie zu den Themen:
[1] Untergrundbeurteilung/Vorbehandlung
[2] Grundierungen
[3] Ausgleichsmassen
[4] Fliesenkleber
[5] Fugenmörtel
[6] Dichtstoffe
[1] Frage: Welche Untergrundvorbehandlung ist nötig?
Mineralische saugende Untergründe wie z.B. Zementestriche (auch
Zementfließsestrich),
Anhydritestriche, Kalk-/ Zementputze, Gasbeton (Porenbeton),
Gipskarton, Gipsfaserplatten werden mit lösemittelfreiem Tiefgrund
vorbehandelt. Sofern sandende und kreidende Untergründe vorliegen,
wird empfohlen, mit einem lösemittelhaltigen
Tiefgrund vorzubehandeln.
Tipp: Saugende Untergründe können durch Besprühen mit
Wasser eindeutig identifiziertwerden, da das Wasser sehr rasch
vom Untergrund aufgenommen wird und sofort auftrocknet.
Nicht saugende mineralische Untergründe wie Beton sind vor Auftrag von Spachtelmassen
oder mineralischem Fliesenkleber mit Haftgrund vorzubehandeln. Hierbei wird bei
Anwendung in Verbindung mit Spachtelmassen die "Nass in Nass"-Verarbeitung
empfohlen.
Generelle Untergrundvorbehandlungen entfallen bei bereits werkseitig vorgrundierten
Untergründen wie Gipskartonplatten für Nassbereiche, Holz, Spanplatten V100 bzw.
Trockenestrichelementen.
[2] Frage: Was ist der Unterschied zwischen Haftgrund und Tiefgrund?
Tiefgrundmischungen (lösemittelfrei wie lösemittelhaltig) übernehmen die Aufgabe,
in den meist geschwächten, saugfähigen Untergrund einzudringen, zu verfestigen und
den Saugausgleich vor Auftrag von Fliesenkleber, Putzen, Spachtelmassen o. ä. zu
bewirken.
Haftgrundgemische übernehmen bei nicht saugfähigen Untergründen (Beton,
Gusssasphalt) die Funktion des Haftvermittlers, d.h. sie dringen nur begrenzt in die
Oberfläche des Untergrundes ein und werden in der Regel im sogenannten "Nass-in-
Nass"-Verfahren mit mineralischen Produkten, wie selbstverlaufende Spachtelmasse,
verarbeitet.
Tipp: "Nass-in-Nass"-Verfahren bedeutet, direkt nach Auftrag des Haftgrundes auf den
Untergrund erfolgt der Auftrag der "nassen" z.B. selbstverlaufenden Spachtelmasse.
[3] Frage: Was muss bei Verarbeitung von selbstverlaufender Ausgleichsmasse beachtet werden?
Selbstverlaufende Ausgleichsmassen haben die Aufgabe, Unebenheiten auf Untergründen
auszugleichen. Die damit verbundenen Produkteigenschaften sollen geringe Schrumpfung
(Schwindung), keine Rissbildung und selbstnivellierende Eigenschaften beinhalten.
Entscheidend hierbei ist die Untergrundvorbehandlung. In der Oberfläche sandende
und somit schwach verfestigte Untergründe sind nicht geeignet für den nachträglichen
Auftrag von selbstverlaufenden Spachtelmassen, da kein beständiger Haftverbund
erzielt werden kann.
Durch vorherigen Auftrag eines Tiefgrundes ist eine Untergrundverfestigung erzielbar.
Weiterhin ist zu beachten, das der Untergrund verformungsstabil ist bzw. bleibt.
Desweiteren darf die Spachtelmasse nicht mit angrenzenden Bauteilen, wie z.B. Wänden
verbunden sein, da beim Trocknungsprozess der Spachtelmassen Schubspannungen
aufgebaut werden, die dann die Rissbildung der erhärteten Spachtelmassen fördern
und unterstützen.
Selbstnivellierende Spachtelmassen sind vor zu rascher Austrocknung (Zugluft,
erhöhte Raumtemperatur) zu schützen, da ansonsten durch "Schockschwindungen" Risse
entstehen können. In der Regel sind die Spachtelmassen, abhängig
von der Schichtdicke und Temperatur, nach 4 -6 Stunden ( bei 20 ° C ) begehbar.
Die einschlägigen Herstellerangaben sind zu beachten.
[4] Was für einen Fliesenkleber benötigt man
Die Wahl des Fliesenklebers ist abhängig vom Anwendungsgebiet (innen + außen), der verwendeten Keramik und des Untergrunds. Generell unterscheidet man zwischen mineralischen Fliesenklebern, die auf Basis Zement hergestellt werden und zur Verarbeitung mit Wasser angemischt werden müssen und verarbeitungsfertigen Klebern, die auf Kunststoffbasis aufgebaut sind. Mineralische Fliesenkleber sind sowohl im Innen- sowie Außenbereich einsetzbar und sind grundsätzlich für alle Untergründe geeignet. Durch die unterschiedlichen im Markt befindlichen Qualitäten ergeben sich Abgrenzungen in den jeweiligen Einsatzgebieten. Die jeweiligen Anwendungsgebiete sind im Gebindetext nachlesbar. Fliesenkleber auf Kunststoffbasis sind nur im Innenbereich anwendbar. Die Anwendung erstreckt sich in der Regel auf Verfliesung von Wänden sowohl im "Trockenbereich" (Küche) als auch in privaten Nassräumen (Bäder, Duschen). Für Dauernassbelastungen sind diese Klebstoffe nicht geeignet (Spezialprodukte).
Was macht ein Fliesenkleber flexibel?
Fliesenkleber auf Kunststoffbasis besitzen von Haus aus eine höhere Verformungsfähigkeit als mineralische, zementär gebundene Fliesenkleber. Dies liegt darin begründet, dass zementäre Fliesenkleber eine "geringere Flexibilität" aufzeigen.
Flexibilität wird bei zementären Klebern durch Kunststoffzusätze erreicht. Unter dem Begriff "Flexibilität" versteht man hierbei, dass mögliche Verformungen des Untergrundes durch Wärme bzw. Frost/Taueinwirkung durch den Fliesenkleber aufgefangen werden und der Fliesenbelag keine Schädigung erlangt.
Wie hoch darf man mit Fliesenkleber Unebenheiten ausgleichen?
Flexibilität wird bei zementären Klebern durch Kunststoffzusätze erreicht. Unter dem Begriff "Flexibilität" versteht man hierbei, dass mögliche Verformungen des Untergrundes durch Wärme bzw. Frost/Taueinwirkung durch den Fliesenkleber aufgefangen werden und der Fliesenbelag keine Schädigung erlangt.
Wie hoch darf man mit Fliesenkleber Unebenheiten ausgleichen?
Mineralische sowie auf Kunststoff basierende Fliesenkleber werden im sogenannten "Dünnbettverfahren" verarbeitet. Mit dem Begriff Dünnbettverfahren ist eine max. Schichtdicke ( zusammengedrückte Kleberschicht unter der Fliese) von max. 5 mm gemeint.
Durch höhere Klebeaufträge wird das übliche Schwindmaß des Fliesenklebers stark erhöht und führt mit Trocknungsprozess zu verstärkten Spannvorgängen unterhalb des Fliesenbelages. Das Ergebnis ist hierbei in der Regel ein Abscheren bzw. Ablösen der Fliese aus dem Verbund.
Wie schnell ist ein Fliesenbelag begehbar?
Wie schnell ein Fliesenbelag begehbar ist, hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Entscheidende Merkmale sind hierbei:
- Umgebungstemperatur
- Saugfähigkeit des Untergrundes
- Verwendete Keramik
- Verwendete Kleberarten (schnell erhärtende oder normal erhärtende mineralische Kleber bzw. Kleber auf Kunststoffbasis)
Die entscheidensten Kriterien hierbei sind:
Das Saugverhalten des Untergrundes und die Temperatur. Bei schwach saugenden Untergründen (wie z.B. Beton, Gußasphalt) und niedrigen Temperaturen (von 1 - 5°C) wird das Abbindeverhalten normal erhärtender mineralische Fliesen - kleber verzögert. Bei kunststoffbasierenden Fliesenklebern gilt in Analogie das gleiche Reaktionsverhalten.
Bei Verwendung von schnell erhärtenden Fliesenklebern, wird durch die besondere Rezeptierung den äußeren Bedingungen (niedrige Temperatur o.ä.) entgegenwirkt. In der Regel sind keramische Bodenbeläge nach 24 Stunden "begeh- und verfugbar", nach 3 Tagen belastbar (privater Wohnbereich). Industriell genutzte Flächen sind nach 28 Tagen belastbar.
Welcher Fliesenkleber ist für Spanplatten geeignet?
Holzspanplatten galten schon immer als riskanter Untergrund. Das Problem beginnt bereits mit der unsachgemäßen Lagerung und dem ungeschützten Einbau, sodass die Platten einen sehr hohen Feuchtegehalt besitzen.
Die Spanplatten trocknen erst dann aus, wenn Sie verfliest und die Räume in Betrieb genommen werden. Das dabei auftretende Problem der Verformung und der möglichen Rissbildung in der Fliese wird dabei meist nicht beachtet.
Die Verlegung von keramischen Belägen auf Spanplatten sollte nur auf Holzspanplatten des Typs V 100 G mit einer maximalen Restfeuchtigkeit von weniger als 8 % erfolgen. Weiterhin gilt für die Verlegung auf Holzuntergründen (Wand wie Boden) eine verformungsfreie! Untergrundkonstruktion sicherzustellen. Sofern eine verformungsfreie Untergrundkonstruktion vorliegt, sind mineralische Flexkleber, Standardkleber mit zusätzlicher flüssiger Dispersionsbeigabe oder kunststoffbasierende Fliesenkleber geeignet, Fliesen zu verlegen.
Diese Fliesenkleberkombinationen "überbrücken" gewisse Verformungen des Untergrundes, jedoch bleibt ein gewisses Schadensrisiko durch mögliche Nachverformungen des Holzuntergrundes bestehen.
Fliessbettkleber/ Fließbettmörtel? Was bedeuten diese Begriffe?
Fliessbettkleber sind speziell formulierte mineralische Fliesenkleber für den Anwendungsbereich Boden. Hierbei ist entscheidend, dass bei reinem relativ "geringen" Wasserzusatz nach dem Anmischen der Kleber zähfliessend aus dem Anrührgefäß ausgeschüttet werden kann.
Nach Verteilung auf dem Untergrund und Herstellung des Kammsteges mit der Zahnspachtel, laufen diese zäh fließend zusammen.
Der Vorteil gegenüber normalem Dünnbettmörtel ist hierbei, das nach Einlegen der Keramik in den vorbereiteten, angemischten Fliessbettkleber eine annähernd hohlraumfreie rückseitige Benetzung der Keramik erzielt wird. Dies ist von entscheidender Bedeutung bei Verlegung im Außenbereich, da hierbei mögliche Schadensrisiken des keramischen Belages unter Frost / Tauwechseleinwirkung erheblich reduziert werden kann. Bei Verwendung von Dünnbettmörtel im Aussenbreich muss vorherige Abspachtelung der Keramik vor dem Einlegen in das Kleberbett erfolgen um annähernd einen vollflächigen Verbund mit dem Kleber sicherzustellen. Dies ist ein zusätzlicher Arbeitsgang der bei Verwendung von Fliessbettkleber entfällt.
[5] Frage: Was ist der Unterschied in der Anwendung von schmalen und breiten Fugenmörteln?
Unter dem Begriff "schmale Fugen" werden Fugenbreiten von 1-5 mm definiert; "breite
Fugen" beginnen in der Praxis ab 5 mm und können je nach keramischem Belagstoff
oder Natursteinbelag (z.B. Porphyr) bis 25 mm beinhalten.
Damit diese Anwendungsbereiche erfüllt werden können, sind geeignete
Rohstoffzusammensetzungen notwendig. Fugenmörtel für schmale Fugen werden
zumeist in Wandflächen verwendet, die aus sehr "weichen" Oberflächen,
aus keramischen Belägen (z.B. Steingut, Irdengut) oder aus Natursteinbelägen (wie
Marmor, Solnhofer Platten o.ä.) bestehen. Hierbei ist die Auswahl der verwendeten Rohstoffe
im Fugenmörtel entscheidend, damit keine Verletzung der Glasuren (Kratzspuren
o. ä.) entstehen bzw. optische feine Fugenoberflächen erzeugt werden (Ästhetik).
Fugenmörtel für breite Fugen werden in der Regel auf Bodenflächen,
bestehend aus Grobkeramik (wie z.B. Spaltplatten Cotto, Porphyr o.ä.) eingesetzt,
um damit einen gewissen "rustikalen" Eindruck zu erzeugen.
Entscheidend hierbei ist, dass eine ausreichende Fugenflankenhaftung, eine
gute Verfüllung in der Fuge, ausreichende Feuchtigkeitsentwicklung sowie
witterungsbeständige Eigenschaften erreicht werden.
[6] Frage: Was sind die Einsatzbereiche für Silikondichtstoffe?
Wir unterscheiden bei den Silikondichtstoffen zwischen sog. essigsäureerhärtenden (acetatvernetzend) und neutralvernetzenden (Alkoxy -) Systemen.
In der Mehrheit werden essigsäureerhärtende Dichtstoffe verwendet. Diese finden zumeist ihre Anwendung in Nassräumen (Duschen, Bädern, Küchen und im Verglasungsbereich) und zeichnen sich weiterhin durch bakterizide und fungizide Eigenschaften aus.
Sie dürfen nicht direkt auf mineralischen Untergründen wie Beton oder blankes Metall (Aluminium, Blech o.ä.) aufgebracht werden, da durch das Ausdunsten der Essigsäure die Untergründe angegriffen werden. Weiterhin sind diese Dichtstoffe nicht für den Einsatz auf Natursteinbelägen geeignet ("Fettrandbildung" durch Eindringen des Silikonöls).
Neutralvernetzende Dichtstoffe finden ihre Funktion in der Anwendung von sogenannten Bausilikonen sowie Natursteinsilikonen.
